Moselfreund
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Federweißer

Diese leckere Getränk wird auch als "Alkopop des Mittelalters" bezeichnet. Federweißer galt schon immer als etwas Besonderes. Im Mittelalter wurden in einer Verordnung des Fürstbischofs von Speyer (1739) die Wirte "ernstlich angemahnt, daß jedermann, dem sein Leben lieb sei, möglichst wenig von diesem Stoff trinken" solle. Das lag offensichtlich an den Umstand, dass die Pfälzer ein viertel Jahr nach der Lese praktisch in einem einzigen Dauer-Rausch gewesen sind.

In Heilbronn wurde ab 1760 der Verkauf von unfertigen Weinen sogar verboten. Bei den damals sehr trockenen und sauren Weinen, war der süße Federweiße natürlich eine willkommene Delikatesse und wurde dementsprechend gerne und viel getrunken. Und so kommen wir auch zum "Alkopop des Mittelalters". Bei geringem Alkoholgehalt muß man eben mehr davon trinken, damit es auch "rauscht" im Kopf.

Für den "neuen Wein" gibt es viele unterschiedliche Bezeichnungen: Sturm, Sauser, Suser, Schilcher, Najer Woi, Bitzler oder eben Federweißer oder Federroter. Mittlerweile wird nämlich auch von den roten Trauben "gärender Most" angeboten.

Bis ca. Ende Oktober ist der Federweiße zu haben. Frisch vom Winzer schmeckt er (mir) natürlich am besten. Aber auch im Supermarkt ist das Getränk zu bekommen. Und dass ist auch gut so, denn man hat ja nicht immer einen Winzer nebenan. So braucht man dennoch nicht darauf verzichten. Und über Geschmack läßt sich bekanntlich streiten.

Der Deutsche Federweiße kommt vor allem aus Rheinhessen und der Pfalz, ist aber mittlerweile auch überregional zu haben. Natürlich auch an der Mosel gibt es diese leckere Tröpfchen in weiß und rot. übrigens handelt es sich beim Federweißen um die meistgetrunkene Variante des Neuen Weins. Dabei ist es doch nur frisch gepresster Traubenmost, der gerade begonnen hat zu gären.

Und woher kommt der Name?

Weil der neue Wein Hefezellen als Schwebstoffe enthält, die eine federweiße Farbe haben. So ist der Name entstanden, ganz einfach.

Auch im benachbarten Ausland gibt es diese Spezialität. So wird in der Steiermark der trüb rosa- bis violettfarbene Schilchersturm hergestellt. Abhängig von der Region variieren auch die Bezeichnungen, die häufig Bezug nehmen auf empfundene Begleiterscheinungen wie das Prickeln auf der Zunge oder das Sausen im Kopf.

In Teilen Südwestdeutschlands, in der Schweiz und in Südtirol heißt er Suser oder Sauser, speziell in der Pfalz wird er Najer Woi ("Neuer Wein") oder Bitzler genannt. In Franken werden die ersten, noch süßen Gärstufen als Bremser bezeichnet. In österreich nennt man ihn Sturm, als Staubiger wird dort der junge durchgegorene, aber noch unfiltrierte und deswegen trübe Wein bezeichnet. Andere Bezeichnungen sind Krätzer oder Neuer Süßer, in Südtirol auch einfach Noier ("Neuer"), auf Italienisch Vino Nuovo ("Neuer Wein"). In Tschechien sagt man Burak (gespr. Burtschaak).

Die Kohlensäure, die bei dem Gärvorgang entsteht, sorgt für die Spritzigkeit vom Federweißen. So schmeckt er anfangs wie eine Art Traubenlimonade oder süßer Schaumwein. Und solange noch reichlich Zucker vorhanden ist, wird durch dessen Süße der bereits entstandene Alkohol kaschiert, so dass dieser relativ unbemerkt in die Blutbahn übergehen kann. Deshalb wird die berauschende Wirkung des Federweißen oft erst mit Verzögerung oder gar nicht registriert. Je nach Gärstufe. Und nicht zuletzt übt der Federweiße auch einen positiven Effekt auf die Peristaltik (in Gang bringen) des Darms aus. Also nicht zuviel davon, es könnte "in die Hose gehen".

Grundsätzlich kann jede Rebsorte verwendet werden. Dies wird durch die fortschreitende Traubenreife - es gibt ja auch frühe Sorten - beeinflusst.

Die Gärung des Traubenmostes beginnt durch die von Natur aus enthaltene oder zugesetzte Hefe, abhängig von der Lagertemperatur recht schnell. Dabei werden die im Most enthaltene Glucose und Fructose der Trauben in Alkohol und Kohlensäure gespalten. Daher ist der Alkoholgehalt auch davon abhängig, wie weit die Gärung bereits fortgeschritten ist. Dieser Prozess kann u.a. durch Kühlung verlangsamt werden. Aber das kennt man ja vom Brotbacken.

Der angegorene Most ist trotz Filtration und Kühlung nur begrenzt haltbar und wird unweigerlich immer saurer, weil der Zucker eben zu Alkohol wird. In der Regel hat der Federweiße einen Alkoholgehalt von etwa 4 % (+/-). Er gärt natürlich weiter, d.h. der Zucker wird weiter in Alkohol umgesetzt. Aber dann ist er auch nicht mehr so prickelnd und süß.

Was ißt man zum Federweißen? Besonders beliebt sind deftige Sachen, wie z. B. Flammkuchen oder Pfälzer Saumagen. Das ist natürlich von der regionalen Küche abhängig.

Lasst ihn Euch schmecken!

Bis bald

Bernhard

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